Die geballte Wirtschaftskompetenz von Spiegel Online
Von heute Morgen (inzwischen geändert):
Porsche reagiert auf die Turbulenzen der VW-Aktie: Um einen drohenden Crash des Wertpapiers zu verhindern, will der Stuttgarter Autobauer jetzt Volkswagen-Anteile auf den Markt geben – das soll die Zahl der verfügbaren Aktien wieder erhöhen. Vorbörslich notiert VW trotzdem im Minus.
Ohne Kommentar.
Manche Leute gehören einfach in den Knast
Ich finde es nicht weiter schlimm, einen Informationsrundbrief über Finanzprodukte zu schreiben. Wenn man eine gewisse Kompetenz im Schreiben solcher Rundbriefe hat, kann man für so einen Rundbrief mitunter sogar Geld verlangen.
Einen solchen Rundbrief aber mit den Worten zu bewerben:
Als CFD-Trader haben Sie fast so regelmäßige Einkünfte, wie ein Angestellter oder Beamter [...] Sie vervielfachen Ihr Geld mehrere Male im Monat
finde ich dann doch ein bisschen viel des Guten. (mehr…)
Es wird heiß
Der Baum brennt lichterloh. In den letzten Tagen gab es eine Sondersitzung nach der anderen. Das Geschäft unseres Klienten ist vollkommen weggebrochen. Die Ergebnisprognose für 2008 muss deutlich nach unten angepasst werden.
Als Konsequenz hat sich unser beschauliches Strategie- und Organisationsprojekt nun vollends in ein Kostensenkungsprojekt verwandelt. Es werden Köpfe rollen – und das nicht zu knapp. (mehr…)
Deutschland im Herbst
Ich könnte jetzt aus dem Nähkästchen plaudern. Vieles von dem, was ich in den letzten Tagen gehört habe, ist mir allerdings zu heikel, um es hier zu publizieren. Die Quintessenz lässt sich allerdings recht kompakt zusammenfassen: zahlreichen deutschen Unternehmen geht es richtig dreckig.
Allein die Klienten, die unsere Firma derzeit berät, werden derzeit mit massiven Liquiditätsproblemen konfrontriert. Es herrscht regelrechtes Muffensausen auf den Vorstandsetagen. Die Belegschaften merken auch langsam, dass harte Zeiten kommen, kennen aber keine Details und können nicht abschätzen, wie schlimm es wird. (mehr…)
Dystopia 2010
Die Uhr zeigt 3:18 Uhr, als das Telefon klingelt. „Hallo?“ meldet sich eine verschlafene Stimme. „Frau Bundeskanzlerin, hier ist Siegbert von der Stabstelle Finanzkrise.“ Sichtlich irritiert setzt sich Angela Merkel in ihrem Bett auf. „Ich habe schlechte Neuigkeiten. Der italienische Premierminister wartet auf der anderen Leitung. Er sagt es sei dringend.“ „Geben Sie mir fünf Minuten. Ich möchte nur gerade zu mir kommen.“
Zwei Stunden später sitzt Angela Merkel in ihrer Dienstlimousine auf dem Weg ins Kanzleramt. Auf dem kurzen Weg rekapituliert sie das Gespräch mit Silvio Berlusconi. Es ist der 15. Oktober 2010. Ein Freitag, der in die Geschichte eingehen wird. „Es ist vorbei,“ hatte er gesagt, „wir können einfach nicht mehr. Wir müssen austreten, noch heute. Ich bin um 16:00 Uhr in Brüssel.“
Die Bilder huschen ihr nur so durch den Kopf. Die letzten zwei Jahre waren so turbolent; gefühlt hat sie in der Zeit 3000 Stunden Schlafmangel akkumuliert. Man sieht es ihr an. Kein Make-up der Welt wird jemals diese Augenringe kaschieren können. (mehr…)
Was ist die Wertschöpfung der Finanzindustrie?
Eine der grundlegenden Fragen der nächsten Monate und Jahre wird sein, wie das Finanzsystem zukünftig reguliert werden soll. Es dürfte unabwendbar sein, dass es wieder striktere Regulierung geben wird. Gleichwohl gibt es Leute die jetzt schon vor zu strikter Regulierung warnen.
Das Argument gegen allzu strikte Regulierung ist, dass die Finanzinnovationen der letzten Jahre neben den derzeitigen Verwerfungen eben auch viele Vorteile für unsere Volkswirtschaften gebracht hätten. Diese Vorteile gelte es nun trotz des höheren Grades an Regulierung zu bewahren.
Aber was sind diese Vorteile? Wo liegt die Wertschöpfung der Finanzindustrie und der von ihr kreierten Finanzinnovationen? Und wie kann man zukünftige Finanzkrisen verhindern, ohne diese Vorteile aufzugeben? Diese Fragen wird man nun diskutieren müssen; und es wird keine einfachen Antworten geben. (mehr…)
„Wer lacht hat noch Reserven“
Berater gehen oft zum Lachen in den Keller. Sagt man. Ich lache gerne. Und auch wenn der folgende Beitrag schon uralt ist, nämlich aus dem Jahre 2004, und ihn wahrscheinlich schon fast jeder kennt, so kann ich ihn mir unendlich oft anschauen und jedesmal herzhaft lachen.
Aktueller denn je: Volker Pispers über Berufe, die die Welt nicht braucht.
Don’t Panic!
Die Bundesregierung hat den Kollaps des Finanzsystems vorerst abgewendet. Trotzdem geht das Wundenlecken noch für einige Zeit weiter. Die Börse erholt sich heute zwar etwas, der Boden dürfte aber definitiv noch nicht erreicht worden sein. „Mr. Dax“ hält sogar einen dreistelligen Daxstand für möglich.
Auf die Banken werden noch weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe zukommen. Der IMF geht im Moment von über 600 Mrd. US$ aus, die noch abgeschrieben werden müssen. Auch die Versicherer werden noch leiden, sind sie doch mit der Finanzbranche eng verbandelt und sitzen auf einem Haufen von Credit Default Swaps. Bei den Privatanlegern in Deutschland hat es bisher sicherlich die Inhaber von Lehmann-Schuldverschreibungen und von Kaupthing Tagesgeldkonten am härtesten getroffen. (mehr…)
Die Ruhe vor dem Sturm
Dies war ein wunderschönes Wochenende. Die Sonne schien, es war angenehm warm, duftete nach Herbst und die Vögel sangen. Am Samstag machte ich mich auf in die Stadt, um meine Einkäufe zu erledigen. Dort war es ziemlich voll – die Menschen schlenderten durch die Gassen, tranken Kaffee, auf dem Marktplatz war eine Tanzgruppe. Gemächlichkeit, Ruhe und Gelassenheit in allen Gesichtern.
Komischerweise kreisten meine Gedanken mal wieder nur um die kommende Woche. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, denn Samstag ist der einzige Tag, an dem ich meine Besorgungen machen kann. Heute kam aber hinzu, dass mir die Ruhe der Menschen um mich herum eigentlich nur unheimlich vorkam. Es war zu ruhig, zu normal. Friede, Freude, Eierkuchen. (mehr…)
Volkswirtschaftliche Kollateralschäden
An Tagen wie diesen habe ich einfach keinen Bock. Der Ticker der FTD erscheint mir unendlich viel spannender, als es irgendein Thema auf meinem Projekt auch nur im Ansatz sein könnte. Alle 10 Minuten verspüre ich den Drang mal nachzusehen, was gerade so passiert, wer als nächstes im Strudel der Finanzkrise ertrinkt, was unsere Regierung so zustande bringt (oder auch nicht), und ob ich womöglich nicht eh einfach aufstehen und gehen sollte, da morgen vielleicht niemand mehr weiß, wie es überhaupt weiter geht.
Ich glaube, ich bin nicht der einzige, dem es so geht. Was soll man sich jetzt auch mit irgendwelchen Vertriebsprozessen beschäftigen? Das ganze Geschäftsmodell geht möglicherweise über die Wupper und ich werkel hier an irgendwelchen nitty gritty Dingen rum. Mein Chef braucht gleich 3 Schaubilder von mir, die er mit dem Vorstand besprechen möchte – ich glaube, den interessiert das genauso wenig, wie mich. Womöglich werden denen gerade die Kreditlinien zusammengestrichen und sie können die Internationalisierungspläne für die nächsten 5 Jahre in die Schublade legen.
In der Konsequenz schätze ich mal, dass ich mich gut 25% meiner Arbeitszeit mit dem Lesen von irgendwelchen Nachrichten und dem Schreiben dieser Blogeinträge beschäftige. Andere Bürofuzzis werden es genauso machen, so dass die Finanzkrise sich noch ganz anders auf die „Realwirtschaft“ (ein wahrlich herrliches Wort) auswirken dürfte. Zeitverschwendung als Kollateralschaden – quasi.
Eine findige Unternehmensberatung könnte ja mal kurz hochrechnen, welcher volkswirtschaftlicher Schaden durch das Lesen von Finanznachrichten am Arbeitsplatz entsteht – ganz im Sinne von „Studien“ wie „Das Surfen im Internet am Arbeitsplatz kostet die Unternehmen im Jahr 10 Mrd. EUR“. Das wäre bestimmt interessant für Leute, die sonst keine Sorgen haben.
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