Deutschland im Herbst
Ich könnte jetzt aus dem Nähkästchen plaudern. Vieles von dem, was ich in den letzten Tagen gehört habe, ist mir allerdings zu heikel, um es hier zu publizieren. Die Quintessenz lässt sich allerdings recht kompakt zusammenfassen: zahlreichen deutschen Unternehmen geht es richtig dreckig.
Allein die Klienten, die unsere Firma derzeit berät, werden derzeit mit massiven Liquiditätsproblemen konfrontriert. Es herrscht regelrechtes Muffensausen auf den Vorstandsetagen. Die Belegschaften merken auch langsam, dass harte Zeiten kommen, kennen aber keine Details und können nicht abschätzen, wie schlimm es wird.
Einem unserer Klienten droht zum Jahresende die Insolvenz, wenn nicht ein Wunder geschieht. Das hat zwar nur indirekt mit der Finanzkrise zu tun, da es primär mit der dünnen Eigenkapitaldecke zu tun hat, die es einer Heuschrecke zu verdanken hat. Jedoch ist die Heuschrecke aufgrund der Finanzkrise wohl kaum in der Lage, im Fall der Fälle Eigenkapital zuzuschießen. Mit einer Insolvenz ist jedenfalls auch der Heuschrecke nicht gedient. Das Kapital, was in der Vergangenheit aus der gekauften Firma rausgezogen wurde, reicht nicht im geringsten, um die eigenen Kredite zu bedienen.
Aber auch bei vermeintlich gesunden Unternehmen werden momentan die Schrauben angezogen. Bei meinem derzeitigen Klienten gibt es vorerst einen Einstellungsstopp. Im kommenden Jahr wird es dann wohl massiven Personalabbau geben. Das war ursprünglich mal anders geplant.
Zu den Liquiditätsproblemen gesellen sich natürlich auch noch andere Probleme. Die Konjunktur flaut gerade signifikant ab, so dass Druck auf der Umsatzseite entsteht. In den Medien erwaähnt man in diesem Zusammenhang derzeit vor allem die Autobauer. Den anderen Branchen geht es aber nicht großartig anders. Allen voran der Handel dürfte mal wieder massiv leiden – es würde mich nicht wundern, wenn Karstadt sehr bald den Löffel abgeben würde.
Deutschland wird einen heißen Herbst durchmachen. Der Winter könnte gar nuklear werden. Die derzeitige Wachstumsprognose von 0,2% für 2009 halte ich jedenfalls für sehr optimistisch.
So ist meine kleine Geschichte nicht vollkommen abwegig. Die Probleme werden garantiert voll auf die „Realwirtschaft“ durchschlagen. Das Jahr 2009 wird noch einige Überraschungen für uns bereit halten. Ach ja, und es ist ein Wahljahr.
Vorallem wirds jetzt die ganzen Mittelständler zerreissen die die letzten Jahre immer noch gerade so über die Runden gekommen sind, gerade im Einzelhandel und Handwerk wird es große Verluste geben.
Für den Mittelstand führen wir jetzt noch schnell die Erbschaftssteuer ein, weil der Mittelstand voraussichtlich die nächsten 8-10 Jahre sehr gut vorplanen kann
@ Alvar Hanso
Ich sehe die Krise nicht primär als Krise der Mittelständler. Klar pfeifen einige von denen seit Jahren aus dem letzten Loch, und viele werden die Krise auch nicht überleben. Gerade die großen Unternehmen werden aber zunehmend Probleme bekommen, denn diese hatten vornehmlich Zugang zu billigem Geld.
@ Soldatenkönig
Die Erbschaftssteuer ist noch ein ganz anderes Thema – ich bin gegen ein Abschaffung und finde, wenn jemand ein Unternehmen erbt und die fällige Steuer nicht bezahlen kann, muss er das Unternehmen halt verkaufen. Wie sagt Warren Buffet: Reichtum erben ist, als würde man die Söhne und Töchter der Medalliengewinner von Seoul 1988 bei der Olympiade 2008 an den Start schicken.
Das es gewisse Regelungen geben muss (und gibt), steht dabei auf einem anderen Blatt.
@ Soldatenkönig
Die Damen und Herren von der Union wollen doch Oma’s „Häuschen“ bis 1,5 Mio Euronen steuerfrei stellen… Ich fühle mich da an die 80er Jahre erinnert: „Arbeiter passt auf – die SPD will Euch Eure Villen im Tessin wegnehmen!“
http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/KontinuitaetUndWandel_plakatStaeckTessin/index.jpg