Neues Geschäftsmodell
Habe nur ich das dumpfe Gefühl, dass es dieser Tage einträglicher ist, bei den Finanzministern des Bundes und der Länder zu betteln, als mit ehrlicher Arbeit Werte zu schaffen?
Eigentlich können wir unser derzeitiges Projekt auch gleich einstellen – wenn die Firma den Bach runter geht, kann der Staat halt ein paar Milliardäre Arbeitsplätze mehr retten.
Motivierend ist das alles jedenfalls nicht…
$5 Mrd. für Island – wenn’s weiter nichts ist…
Island soll Kreditzusagen über insgesamt $5 Mrd. bekommen haben – was in Zeiten, in denen Milliardensummen nach Peanuts klingen, als überschaubarer Betrag erscheint, sollte man aber dennoch im Verhältnis zur Bevölkerung des kleinen Inselstaates sehen. Bei 320000 Einwohnern ergibt dies eine Neuverschuldung in Höhe von knapp $15,000 pro Einwohner; auf einen Erwerbstätigen kommen mitunter bis zu $25,000 Schulden. Und das alles in Fremdwährung, sprich, wenn die Krone weiter abwertet, wächst dieser Betrag zusätzlich zu der Zinslast weiter an.
Wie diese Summe allein mit Fischfang, Schafzucht und Tourismus (und dem größten Exportschlager: Björk) langfristig beglichen werden soll, weiß wohl allein der IMF, der knapp $2 Mrd. bereitgestellt haben soll. Bleibt die Frage: Zählt Deutschland zu den „befreundeten Staaten“, die die restlichen $3 Mrd. bereitgestellt haben? Ich hoffe nicht, denn im Unterschied zu den britischen und niederländischen Kaupthing Kunden haben die deutschen Kunden bis dato noch keine Zusage für eine mögliche Entschädigung erhalten.
Warum der Niedergang von Private Equity mitunter gut ist
Schon seit Wochen zeichnet sich ab, dass Private Equity Firmen in der Krise stecken. Leveraged Buyouts (LBOs) sind nicht mehr finanzierbar, da die Heuschrecken momentan keine günstigen Kredite mehr bekommen. Und die Kredite, die bereits existieren, werden wohl nur zu deutlich schlechteren Kondition refinanziert werden können – wenn überhaupt.
Viele Menschen werden dies als Genugtuung sehen – wenn nicht gleichzeitig die Sorge bestünde, dass die Firmen in Private-Equity-Hand nicht auch womöglich durch die ihnen aufgebürdete Schuldenlast zunehmend in die Insolvenz getrieben würden.
Das Modell der Private Equity Firmen basiert darauf, dass ein Firmenkauf mit einem hohen Anteil an Fremdkapital finanziert wird (der sog. LBO), um im zweiten Schritt zumindest einen großen Teil dieser Fremdfinanzierung von der gekauften Firma finanzieren zu lassen (z.B. indem die Kredite der Firma überschrieben werden oder in dem man eine Sonderausschüttung vornimmt, die die gekaufte Firma wiederum über Kredite finanzieren muss – siehe das Beispiel Hugo Boss vor einigen Monaten).
Die gekaufte Firma hat nun in der Regel unter einer hohen Schuldenlast zu leiden. Dies führt mitunter dazu, dass ein enormer Druck entsteht, die Produktivität des Unternehmens zu steigern, um das operative Ergebnis soweit zu verbessern, dass die Kredite alle bedient werden können. Wenn dies nicht gelingt, gibt es im Wesentlichen nur zwei Möglichkeiten: 1) das Unternehmen geht in die Insolvenz (wovon die Private Equity Firma nichts hat) oder 2) die Private Equity Firma schießt kurzfristig Kapital nach.
In Zeiten des Billigen Geldes war Option 2 durchaus gängig; jetzt wo den Private Equity Firmen selber das Wasser bis zum Hals steht, drohen vermehrt Unternehmen in die Insolvenz zu gehen. Allein, das muss gar nicht weiter problematisch sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach bedeutet dies lediglich, dass das Unternehmen neue Eigentümer bekommt – die ehemaligen Gläubiger, sprich, die Banken, oder andere Investoren, die den Banken die Schuldtitel abkaufen.
Ein Unternehmen was operativ hervorragende Ergebnisse einfährt ist nämlich in jedem Fall ein lukratives Investitionsobjekt. Und als solches wird das Unternehmen mit Sicherheit einen neuen Eigentümer finden, der mitunter ganz andere Ziele verfolgt, als es das Private Equity Unternehmen tut.
Der neue Eigentümer könnte zum Beispiel solventer sein, wodurch er nicht in gleichem Maße auf eine Finanzierung durch Fremdkapital angewiesen wäre. Er könnte risikoaverser sein (was ja mittlerweile en Vogue ist) und sich mit einem geringeren Return on Investment zufrieden geben, indem er weniger Leverage benutzt.
Für das gekaufte Unternehmen würde dies allem voran bedeuten, dass der enorme Druck abnimmt, das operative Ergebnis immer weiter nach oben zu schrauben. In der Regel wirtschaften die Firmen ohnehin an der Grenze ihrer Leistungskapazität, haben Prozessoptimierungen, Restrukturierungen, Kostensenkungsprogramme und Personalabbaurunden noch und nöcher hinter sich, und sind im Grunde top-fit und kerngesund.
Ohne die „künstlich“ aufgebürdete Schuldenlast wäre es ihnen in den letzten Jahre sowieso schon ausgezeichnet gegangen. Operativ haben diese Unternehmen Jahr für Jahr Rekordergebnisse gefahren – zum bedienen der Schulden hat es immer nur gerade so gereicht.
Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn diese Unternehmen bald neue Eigentümer haben. Insolvenzen müssen nämlich nicht immer etwas schlechtes sein.