Warum der Niedergang von Private Equity mitunter gut ist
Schon seit Wochen zeichnet sich ab, dass Private Equity Firmen in der Krise stecken. Leveraged Buyouts (LBOs) sind nicht mehr finanzierbar, da die Heuschrecken momentan keine günstigen Kredite mehr bekommen. Und die Kredite, die bereits existieren, werden wohl nur zu deutlich schlechteren Kondition refinanziert werden können – wenn überhaupt.
Viele Menschen werden dies als Genugtuung sehen – wenn nicht gleichzeitig die Sorge bestünde, dass die Firmen in Private-Equity-Hand nicht auch womöglich durch die ihnen aufgebürdete Schuldenlast zunehmend in die Insolvenz getrieben würden.
Das Modell der Private Equity Firmen basiert darauf, dass ein Firmenkauf mit einem hohen Anteil an Fremdkapital finanziert wird (der sog. LBO), um im zweiten Schritt zumindest einen großen Teil dieser Fremdfinanzierung von der gekauften Firma finanzieren zu lassen (z.B. indem die Kredite der Firma überschrieben werden oder in dem man eine Sonderausschüttung vornimmt, die die gekaufte Firma wiederum über Kredite finanzieren muss – siehe das Beispiel Hugo Boss vor einigen Monaten).
Die gekaufte Firma hat nun in der Regel unter einer hohen Schuldenlast zu leiden. Dies führt mitunter dazu, dass ein enormer Druck entsteht, die Produktivität des Unternehmens zu steigern, um das operative Ergebnis soweit zu verbessern, dass die Kredite alle bedient werden können. Wenn dies nicht gelingt, gibt es im Wesentlichen nur zwei Möglichkeiten: 1) das Unternehmen geht in die Insolvenz (wovon die Private Equity Firma nichts hat) oder 2) die Private Equity Firma schießt kurzfristig Kapital nach.
In Zeiten des Billigen Geldes war Option 2 durchaus gängig; jetzt wo den Private Equity Firmen selber das Wasser bis zum Hals steht, drohen vermehrt Unternehmen in die Insolvenz zu gehen. Allein, das muss gar nicht weiter problematisch sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach bedeutet dies lediglich, dass das Unternehmen neue Eigentümer bekommt – die ehemaligen Gläubiger, sprich, die Banken, oder andere Investoren, die den Banken die Schuldtitel abkaufen.
Ein Unternehmen was operativ hervorragende Ergebnisse einfährt ist nämlich in jedem Fall ein lukratives Investitionsobjekt. Und als solches wird das Unternehmen mit Sicherheit einen neuen Eigentümer finden, der mitunter ganz andere Ziele verfolgt, als es das Private Equity Unternehmen tut.
Der neue Eigentümer könnte zum Beispiel solventer sein, wodurch er nicht in gleichem Maße auf eine Finanzierung durch Fremdkapital angewiesen wäre. Er könnte risikoaverser sein (was ja mittlerweile en Vogue ist) und sich mit einem geringeren Return on Investment zufrieden geben, indem er weniger Leverage benutzt.
Für das gekaufte Unternehmen würde dies allem voran bedeuten, dass der enorme Druck abnimmt, das operative Ergebnis immer weiter nach oben zu schrauben. In der Regel wirtschaften die Firmen ohnehin an der Grenze ihrer Leistungskapazität, haben Prozessoptimierungen, Restrukturierungen, Kostensenkungsprogramme und Personalabbaurunden noch und nöcher hinter sich, und sind im Grunde top-fit und kerngesund.
Ohne die „künstlich“ aufgebürdete Schuldenlast wäre es ihnen in den letzten Jahre sowieso schon ausgezeichnet gegangen. Operativ haben diese Unternehmen Jahr für Jahr Rekordergebnisse gefahren – zum bedienen der Schulden hat es immer nur gerade so gereicht.
Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn diese Unternehmen bald neue Eigentümer haben. Insolvenzen müssen nämlich nicht immer etwas schlechtes sein.
Besteht nicht trotzdem die Gefahr, dass die anstehenden Unternehmensinsolvenzen zu weiteren Arbeitsplatzverlusten führen? Viele der Unternehmen, die von Heuschrecken gekauft wurden wurden doch systematisch kaputt gemacht. Und dass einfach so der Besitzer wechselt und dann alles ganz normal weiter geht glaube ich irgendwie nicht.