Aus dem Leben eines Unternehmensberaters

Don’t Panic!

Veröffentlicht in Wirtschaft und Politik von casparhauser am Oktober 13, 2008

Die Bundesregierung hat den Kollaps des Finanzsystems vorerst abgewendet. Trotzdem geht das Wundenlecken noch für einige Zeit weiter. Die Börse erholt sich heute zwar etwas, der Boden dürfte aber definitiv noch nicht erreicht worden sein. „Mr. Dax“ hält sogar einen dreistelligen Daxstand für möglich.

Auf die Banken werden noch weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe zukommen. Der IMF geht im Moment von über 600 Mrd. US$ aus, die noch abgeschrieben werden müssen. Auch die Versicherer werden noch leiden, sind sie doch mit der Finanzbranche eng verbandelt und sitzen auf einem Haufen von Credit Default Swaps. Bei den Privatanlegern in Deutschland hat es bisher sicherlich die Inhaber von Lehmann-Schuldverschreibungen und von Kaupthing Tagesgeldkonten am härtesten getroffen. (mehr…)

Die Ruhe vor dem Sturm

Veröffentlicht in Unternehmen, Wirtschaft und Politik von casparhauser am Oktober 12, 2008

Dies war ein wunderschönes Wochenende. Die Sonne schien, es war angenehm warm, duftete nach Herbst und die Vögel sangen. Am Samstag machte ich mich auf in die Stadt, um meine Einkäufe zu erledigen. Dort war es ziemlich voll – die Menschen schlenderten durch die Gassen, tranken Kaffee, auf dem Marktplatz war eine Tanzgruppe. Gemächlichkeit, Ruhe und Gelassenheit in allen Gesichtern.

Komischerweise kreisten meine Gedanken mal wieder nur um die kommende Woche. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, denn Samstag ist der einzige Tag, an dem ich meine Besorgungen machen kann. Heute kam aber hinzu, dass mir die Ruhe der Menschen um mich herum eigentlich nur unheimlich vorkam. Es war zu ruhig, zu normal. Friede, Freude, Eierkuchen. (mehr…)

Volkswirtschaftliche Kollateralschäden

Veröffentlicht in In eigener Sache von casparhauser am Oktober 9, 2008

An Tagen wie diesen habe ich einfach keinen Bock. Der Ticker der FTD erscheint mir unendlich viel spannender, als es irgendein Thema auf meinem Projekt auch nur im Ansatz sein könnte. Alle 10 Minuten verspüre ich den Drang mal nachzusehen, was gerade so passiert, wer als nächstes im Strudel der Finanzkrise ertrinkt, was unsere Regierung so zustande bringt (oder auch nicht), und ob ich womöglich nicht eh einfach aufstehen und gehen sollte, da morgen vielleicht niemand mehr weiß, wie es überhaupt weiter geht.

Ich glaube, ich bin nicht der einzige, dem es so geht. Was soll man sich jetzt auch mit irgendwelchen Vertriebsprozessen beschäftigen? Das ganze Geschäftsmodell geht möglicherweise über die Wupper und ich werkel hier an irgendwelchen nitty gritty Dingen rum. Mein Chef braucht gleich 3 Schaubilder von mir, die er mit dem Vorstand besprechen möchte – ich glaube, den interessiert das genauso wenig, wie mich. Womöglich werden denen gerade die Kreditlinien zusammengestrichen und sie können die Internationalisierungspläne für die nächsten 5 Jahre in die Schublade legen.

In der Konsequenz schätze ich mal, dass ich mich gut 25% meiner Arbeitszeit mit dem Lesen von irgendwelchen Nachrichten und dem Schreiben dieser Blogeinträge beschäftige. Andere Bürofuzzis werden es genauso machen, so dass die Finanzkrise sich noch ganz anders auf die „Realwirtschaft“ (ein wahrlich herrliches Wort) auswirken dürfte. Zeitverschwendung als Kollateralschaden – quasi.

Eine findige Unternehmensberatung könnte ja mal kurz hochrechnen, welcher volkswirtschaftlicher Schaden durch das Lesen von Finanznachrichten am Arbeitsplatz entsteht – ganz im Sinne von „Studien“ wie „Das Surfen im Internet am Arbeitsplatz kostet die Unternehmen im Jahr 10 Mrd. EUR“. Das wäre bestimmt interessant für Leute, die sonst keine Sorgen haben.

Gedanken zur Finanzkrise

Veröffentlicht in Wirtschaft und Politik von casparhauser am Oktober 9, 2008

Ich muss ehrlich gestehen, ich fühle mich dieser Tage ziemlich überfordert, die täglichen Ereignisse in irgendeiner Form sinnvoll zu verarbeiten. Ich bin von Hause aus Volkswirt und habe zumindest ein Grundverständnis von dem, was momentan passiert. Auch kommt die Krise für mich nicht überraschend – dass die Fundamentaldaten im internationalen Wirtschaftssystem so erschreckend im Ungleichgewicht waren, dass über kurz oder lang dramatischen Anpassungen notwendig würden, war ohnehin kein Geheimnis.

Im Gegenteil: es hat mich eigentlich immer viel mehr verwundert, dass die Krise so lange auf sich warten ließ – ganz nach Nouriel Roubini. Jedesmal, wenn ich dachte „jetzt muss es knallen“, gab es dann doch noch die alles abwendende Intervention der FED, oder die Chinesen und Japaner pumpten noch mehr Geld in die US-Wirtschaft, oder es traten immer neue Blasen zutage, oder, oder, oder.

Auch überrascht mich die Wucht nicht, mit der die Krise jetzt einschlägt. Je länger die weltweite Bonanza andauerte, desto heftiger würden die Anpassungen sein; da war ich mir immer sicher. Ich bin ganz offen – ich war immer eher ein Pessimist, und bin es heute erst recht.

Ich glaube, dass die Krise sich sehr lange hinziehen wird. Eigentlich läuft sie ja schon seit Sommer 2007, wenngleich sie bist jetzt nur gemächlich vor sich hin waberte. Für die nächsten Jahre sehe ich jedenfalls zahlreiche Rezessionen, Stagnationen und anstrengende, schmerzhafte Anpassungsprozesse.

Gleichwohl fühle ich mich definitiv überfordert. Schon während des Studiums verzweifelte ich gelegentlich ob allzu abstrakter mathematischer Modelle und flüchtete bei zahlreichen Gelegenheiten in andere Fachbereiche, um den Modellen mit Hilfe von psychologischen und soziologischen Erkenntnissen etwas mehr Leben einzuhauchen. Inzwischen stecke ich aber in den meisten Themen gar nicht mehr drin, und von Finanz- und Geldmärkten hatte ich noch nie ein solides Verständnis – und so bleibt mir eigentlich nur ein rudimentäres Grundverständnis von dem, was vor sich geht.

Alles erscheint so erratisch; die Medien werfen einem informationsfetzen hier und dort vor, und die alten Bekannten erzählen immer noch den gleichen Stuss, wie in den vergangenen Jahren: alles wird gut; nur die Zinsen senken; der Realwirtschaft geht es gut (naja, vielleicht nicht ganz, aber zumindest im Prinzip), usw. usw.

Zudem fehlt mir einfach die Zeit, alles aufzunehmen und mir in Ruhe meine Gedanken zu machen. Auf meinem derzeitigen Projekt spielt die Finanzkrise eher eine untergeordnete Rolle. Der Klient ist nicht direkt im Finanzsektor tätig und hat allenfalls einige Finanzierungsthemen zu meistern – vorerst. Allerdings stellen sich mir auch hier fundamentalere Fragen. Wie kann man, beispielsweise, in der jetzigen Zeit Marktanalysen für eine Expansion ins Ausland vornehmen, wenn womöglich einige Volkswirtschaften tierisch den Bach runtergehen? Und wie kann man zumindest die identifizieren, die es am härtesten trifft?

Mit meinen Kollegen rede ich zwar jeden Tag über die Finanzkrise, aber es scheint niemanden so sehr zu beunruhigen, wie mich. Wie soll ich mir denn jetzt Gedanken über Organisationsfragen und Prozessabläufe machen, wenn die Krise womöglich ganz andere Fragen aufwirft, als sie sich noch vor 3-4 Wochen gestellt haben? Braucht der Klient womöglich nicht ganz andere Antworten?

Bleibt noch das private Umfeld. In meinem Bekanntenkreis hat eigentlich noch niemand so wirklich realisiert, was gerade so passiert. Niemand fühlt sich wirklich betroffen. Selbst Bekannte, deren Aktiendepots gerade in den Keller gehen, sagen oft lapidar „ich will die Aktien eh noch 10 Jahre behalten, und bis dahin hat sich das alles wieder entspannt“. Dachten das die AIG-Aktionäre nicht auch?

Ich blicke jedenfalls nicht entspannt auf die nächsten Jahre. Die Zeiten werden wohl härter, als sie es jemals zu meinen Lebzeiten gewesen sind. Ich habe nicht wirklich Angst, weder um meinen Job, noch, dass ich nicht irgendetwas anderes finden könnte, sollte ich dies doch irgendwann tun müssen. Aber ich bin eben auch nicht blauäugig.

Es bleibt eigentlich nur eine für mich untypische Paralysis. Ich weiß einfach im Moment überhaupt nicht, was zu tun wäre. Ich habe kaum Ideen, was man unternehmen sollte, um für die Zukunft ein einigermaßen vielversprechendes Bild zeichnen zu können. Und das, obwohl ich eigentlich ein lösungsorientierter Mensch bin.

Irgendwo in mir gibt es durchaus das Bedürfnis, „Blut“ zu sehen. „Man sollte den Bankern allen einmal eine verpassen,“ denke ich dann; „und ihnen alles wegnehmen, was sie in den letzten 10 Jahren verdient haben“. Ich weiß, das sind primitive Empfindungen. Und sie würden 0,0 nix zu einer Lösung beitragen.

Zumal es nicht nur die Banker waren, sondern eben auch und gerade die politischen Entscheider, die die Rahmenbedingungen geschaffen haben: Deregulierung, Basel II, Steuerbefreiung von Veräußerungsgewinnen, usw. usw. In diesem Zusammenhang ist es ja auch gerade besonders tragisch, dass diejenigen, die es bisher verbockt haben, nun den Karren aus dem Dreck ziehen sollen. Dazu müssten diese Menschen ja zumindest einmal ihre Fehler eingestehen. Wie sagte Einstein nämlich so schön: „Man kann ein Problem nicht mit derselben Denkweise lösen, mit der es erschaffen wurde“

Stattdessen möchte man lieber den Schein wahren. Fehler? Nicht doch, das waren die Manager. Oder die Ratingagenturen. Oder die blöden Amis. Oder sonstwer – auf jeden Fall immer die Anderen.

Und selbst der Börsengang der Bahn soll mit der Brechstange am 27. Oktober über die Bühne gehen – falls die große Koalition nicht doch noch Eier in der Hose hat. Aber bei dem Ausmaß an öffentlichem „Widerstand“ käme sie womöglich sogar noch damit durch, selbst wenn man damit weitere Milliardenbeträge öffentlicher Gelder vernichtet. Marx hatte doch recht: Geschichte widerholt sich, das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.

All diese Dinge stimmen mich doch sehr pessimistisch. Wo sind die Lösungen? Wo sind die Perspektiven? I don’t see them right now. Die Weichspülmentalität und Visionslosigkeit der vergangenen Jahre, das Einheitsdenken und die Mitläufermentalität, die sich entwickelt haben – all das kommt jetzt erschwerend hinzu. Querdenker wurden systematisch marginalisiert und als Spinner dargestellt. Ja-sagen war en vogue. Und nun fehlen die Köpfe, die die durchschlagenden Ideen haben.

Ich habe allerdings eine Hoffnung. Die Finanzkrise wird Tabus niederreißen, wie einst die Menschen die Mauer niedergerissen haben. Man wird sich Gedanken über neue Gesellschaftsmodelle machen müssen; bereits heute kann man zumindest darüber reden, Banken zu verstaatlichen; morgen vielleicht darüber, es mit natürlichen Monopolen auch zu tun. Das Pendel wird zurückschwingen – und die Menschen werden wieder frei diskutieren und über wirkliche Alternativen reden und nicht darüber, ob die Lohnnebenkosten um 0,5% sinken, die Mehrwertsteuer um 3% steigen, und die Rentenformel um den Faktor xyz erweitert werden soll. Es wird das Ende der Entpolitisierung der Gesellschaft sein. Sie weiß es nur noch nicht.

Und bei dem Gedanken kann ich nun mit einem Lächeln ins Bett gehen.

Drei Fragen an Herrn Steinbrück

Veröffentlicht in Unternehmen, Wirtschaft und Politik von casparhauser am Oktober 8, 2008

Bezüglich meines früheren Beitrags über die Wallstreet Boni für das laufende Jahr hätte ich da noch drei Fragen an Peer Steinbrück & Co:

Sehr geehrter Herr Steinbrück,

1) Wie hoch werden die Bonuszahlungen in diesem Jahr für die Angestellten der Hypo Real Estate ausfallen?
2) Können Sie garantieren, dass Banken, denen mit Steuergeldern, bzw. zumindest mit vom Staat garantierten Bürgschaften in diesen schwierigen Zeiten geholfen wird, 2008 keine Boni an ihre Mitarbeiter ausschütten?
3) Wenn nein, wie hoch werden diese Boni voraussichtlich ausfallen?

Mir geht es hier explizit nicht um Managergehälter, Abfindungen oder ähnliches Schi Schi, sondern um das System insgesamt. Joseph Ackermann, der immer durch die Öffentlichkeit geprügelt wird, verdient mit seinen 10-20 Mio. EUR im Jahr einen Furz, verglichen mit seinen Investmentbankern.

Insofern interessiert es mich ganz besonders, ob meine Steuergelder in diesem Jahr die Bonuszahlungen der Finanzindustrie direkt subventionieren.

Das ist ja gleich viel teurer…

Veröffentlicht in Berateralltag von casparhauser am Oktober 8, 2008

Die FTD schreibt heute, dass die Airlines hohe Rückgänge bei den Geschäftsreisen zu verzeichnen hätten. An mir kann es jedenfalls nicht liegen – auch im September durfte ich 9 Strecken via Flugzeug hin und her pendeln. Manchmal fühle ich mich dabei ein bisschen, wie die Business Kasper bei Bully Herbig.

Vielleicht sollte man einfach mal hinterfragen, welchen Mehrwert die permanente Reiserei wirklich bringt. Gefühlt könnte ich zumindest jede 2. Woche zu Hause bleiben.

Der letzte Fix vor dem goldenen Schuss

Veröffentlicht in Wirtschaft und Politik von casparhauser am Oktober 8, 2008

Die FED hat noch im Laufe der Nacht eine Leitzinssenkung angedeutet. Wie hier bereits erörtert halte ich dies für die letzte Dosis Stoff, bevor die Party endgültig vorbei ist.

Das solche Maßnahmen jetzt eigentlich kaum noch etwas bringen verdeutlicht zudem, dass der Nikkei trotz dieser Meldung schon 6% im Minus ist. Die Dosis kann also gar nicht mehr hoch genug sein.

Jetzt ist also definitiv Showtime. Bleibt die Frage, ob man sich aus dem Schlamassel rausinflationiert, oder ob die Deflation bald einsetzt. Beides tut weh. Wobei man im ersten Fall auch gerade die Geister wieder ruft, die man jetzt schon nicht einfangen konnte.

Ach so, und die beiden Clowns Präsidentschaftskandidaten haben mal wieder eine Debatte geführt – und sich als tolle Krisenmanager inszeniert. Hauptsache man steht im richtigen Licht. Und der Letzte macht dann bekanntlich ebenjenes aus.

Si tacuisses…

Veröffentlicht in Wirtschaft und Politik von casparhauser am Oktober 8, 2008

Ich weiss nicht, ob ich den MdB Jürgen Koppelin jemals als philosophus bezeichnet hätte. Jedenfalls habe ich mir jetzt das von Stefan Niggemeier velinkte Interview auf Radio Eins einmal in Gänze angehört.

Die Finanzkrise treibt ja so manche Stilblüte diese Tage. Sich aber in anbetracht der größten Wirtschaftskrise seit 1929 hinzustellen und zu behaupten „Das ist nicht der Markt, das ist das Verhalten der Manager“ oder „Der Markt, der Markt selber ist ok. Es ist nur, wer kommt hin, wer kriegt Managerfunktionen, und da habe ich den Eindruck, manchen fehlt’s da wirklich, ja, nicht nur an der guten Ausbildung, sondern, sie waren nur noch auf Schnäppchenjagd. Das hat mit Markt nichts zu tun.“ halte ich einfach nur für strunzendämlich.

Ich hätte da jedenfalls ein paar Fragen an die Damen und Herren von der FDP, die ich im Folgenden gerne einmal in Form eines offenen Briefes an Herrn Koppelin & Co formulieren möchte:

Sehr geehrter Herr Koppelin,

es mag ja nicht mehr so besonders sexy sein, sich dieser Tage für deregulierte Märkte und freien Wettbewerb einzusetzen, zumindest was die Finanzmärkte dieser Welt betrifft. Bisher fand ich es einigermaßen bewundernswert, dass die FDP in dieser Frage eine klare Linie vertreten hat, wenngleich ich diese Linie nie wirklich geteilt habe. Man wusste zumindest zu jedem Zeitpunkt, woran man bei der FDP in diesen Fragen war, was man bei den anderen im Bundestag vertretenen Parteien, mit Ausnahme der Linkspartei, definitiv nicht behaupten kann.

Nun bin ich durch Zufall auf ein Interview gestoßen, was Sie am Montag dem Radiosender rbb gegeben haben. Dort haben Sie, unter anderem, behauptet, die derzeitige Krise an den Finanzmärkten sei kein Resultat des Marktes, sondern sei „lediglich“ die Folge der Handlungen inkompetenter, schlecht ausgebildeter Manager. Ich muss sagen, dass mich Ihre Aussagen doch etwas verwundert haben, weshalb ich Ihnen gerne ein paar Fragen stellen möchte.

Vielleicht können Sie zunächst einmal spezifizieren, was Sie meinen, wenn Sie sagen „der Markt ist in Ordnung“. Meinem Verständnis nach ist der Markt nichts weiter, als ein Mechanismus, der mit Hilfe von Preissignalen Ressourcenallokation betreibt. In diesem Sinne ist der Markt ja in der Tat in Ordnung, denn das tut er zu jeder Zeit an jedem Ort – das funktioniert ja auch heute.

Nun geht es bei den Diskussionen über freie Märkte und den Einfluss des Staates ja selten darum, ob der Mechanismus funktioniert, sondern vielmehr darum, ob Ressourcen optimal allokiert werden – was auch immer man unter dem Begriff optimal verstehen mag. Unter Wirtschaftswissenschaftlern gibt es dazu ja unzählige Abhandlungen und Diskussionen, angefangen bei assymetrischer Information, über unperfekten Wettbewerb, bis hin zu neueren Trends wie Verhaltensökonomik, die sich mit dem Fluch und Segen von Ressourcenallokation durch den Marktmechanismus beschäftigen.

Ich erwarte nicht, dass Sie als MdB zu den zahlreichen Positionen, die es in der akademischen Welt zu dem Thema gibt, detailliert Stellung beziehen, bzw. dies überhaupt können. Gleichwohl bin ich schon ziemlich irritiert, wenn von einem MdB, der einer Partei angehört, die den Segen freier Märkte immer in den Vordergrund gestellt hat, auf das Thema angesprochen kein einziges stichhaltiges Argument kommt, was den Zusammenhang deregulierter Finanzmärkte und der derzeitigen Finanzkrise auch nur im Ansatz entkräftet.

Sie sagen: „Der Markt ist in Ordnung, das ist, liegt ja teilweise… überwiegend auch an den Managern.“ Stimmen Sie mit mir darin überein, dass die Akteuere in den Märkten dieser Welt in der Regel immer noch Menschen sind? Dies ist ja selbst dann der Fall, wenn von Menschen programmierte Systeme an den Finanzmärkten automatisch Transaktionen in Milliardenhöhe vornehmen. Die Handlungen werden doch in jedem Fall von Tradern, Brokern, Analysten und Managern vorgenommen.

Das Argument für freie Märkte lautet ja auch seit ehedem, dass die Menschen im Prinzip besser Wissen, was „gut“ (oder eben optimal) für sie ist, und dass man deshalb die Akteure frei von den Einflüssen des Staates handeln lassen sollte, da nur der Markt die richtigen Anreize setzten könne. Behaupten Sie jetzt implizit, dass die Menschen doch nicht wissen, was „gut“ für sie ist, wenn Sie die Krise dem Verhalten der Manager zuschreiben?

Überrascht war ich auch, dass Sie den Managern eine gute Ausbildung absprechen. Wollen Sie ernsthaft behaupten, dass Richard Fuld an der Stern Business School oder John Thain und Stan O’Neal an der Harvard Business School keine gute Ausbildung erhalten haben? Das würde in der Konsequenz ja ein ganz neues Licht auf das bildungspolitische Programm der FDP werfen, die sonst schon mal gerne das amerikanische Hochschulsystem als ein leuchtendes Vorbild darstellt.

Um es kurz zu machen: Kann es nicht einfach sein, dass man die „Wertschöpfung“ der Finanzindustrie in den letzten Jahren einfach drastisch überschätzt hat? Kann es nicht sein, dass die Deregulierung der Finanzmärkte nicht einfach ein Fehler war? Ist es so schwer, einfach einen Fehler einzugestehen? Oder kann einfach nicht sein, was nicht sein darf?

Sollte Herr Koppelin wider Erwarten antworten, so werde ich die Antwort gerne mit der Leserschaft teilen. Wobei ich selbst dann nicht erwarte, dass man bei der FDP plötzlich selbstkritisch wird. Auf der Webseite der FDP Fraktion im Bundestag stehen zumindest immer noch die alten Parolen:

Und auch für den Kapitalmarkt gilt: Überflüssige Regulierungen müssen abgebaut werden. Bestehende Gesetze, Verordnungen und sonstige Regulierungen, die ihr Ziel nicht kostengünstig erreichen oder nicht mehr erforderlich sind, müssen abgeschafft werden.

Bleibt zu ergänzen: Manager sollten eine bessere Ausbildung erhalten, als man sie an der Harvard Business School bekommt.

Bonus ist das Gegenteil von Malus

Veröffentlicht in Wirtschaft und Politik von casparhauser am Oktober 8, 2008

Bonus bedeutet im Lateinischen gut. Einen Bonus erhält man in diesem Sinne dann, wenn man eine Sache besonders gut gemacht hat.

Nun möchte ich, allein aus Zeitgründen, die komplexen Entwicklungen an den Finanzmärkten an dieser Stelle gar nicht großartig kommentieren – andere können das ohnehin besser, als ich. Jedoch stieß ich heute auf einen interessanten Blogeintrag aus der New York Times, der sich mit den Boni der Wallstreet Banker in diesem Jahr beschäftigt.

Wie es aussieht, erhalten die Wallstreet Banker in diesem krisenreichen Jahr zwar deutlich geringere Boni, Andrew Ross Sorkin stellt allerdings die durchaus berechtigte Frage „why will [there] be bonuses at all“?

Sollte es wirklich „nur“ einen Rückgang um 50% bei den Boni geben, stünden den Bankern für 2008 immerhin noch ansehnliche 16 Mrd. US$ in Aussicht. Selbst die verbliebenen Angestellten von Lehman Brothers können sich, wie es aussieht, auf ca. 3,5 Mrd. US$ freuen, die die neuen Mütter Barclays Capital und Nomura auszuschütten gedenken.

Um das mal in Perspektive zu setzen: 2007 schüttete Lehman ca. 5 Mrd. US$ an seine Mitarbeiter aus. Bei 30.000 Mitarbeitern sind das pro Nase über 160.000 US$. Ich weiß jetzt nicht, wieviele Mitarbeiter von Barclays Capital und Nomura übernommen wurden – eine kurze Suche hat keine genauen Zahlen zutage gebracht, wie viele Angestellte bis dato vor die Tür gesetzt wurden. Sollten es bereits mehr als 8.000 gewesen sein, hieße das, dass die Boni für die verbliebenen Banker sogar steigen würden.

Man kann sich eigentlich gar nicht genug an den Kopf fassen. Die exorbitanten Boni der vergangenen Jahre (bei Goldman Sachs waren es 2006 immerhin 623,418 US$ pro Mitarbeiter – und man kann sich ausrechnen, was die Sekretärinnen und Einsteiger davon erhalten haben) waren ja nie ein Geheimnis. Und man hätte in der ganzen Zeit die Leute ernster nehmen müssen, die die „Wertschöpfung“ eines Anshu Jain bei der Deutschen Bank im Verhältnis zu seinen Boni in dreistelliger Millionenhöhe hinterfragt haben. Aber das selbst heute, wo der ganze Mist zusammenkracht, die Verursacher immernoch belohnt werden, gar mit Bonuszahlungen weit über dem historischen Durchschnitt, ist, glaube ich, niemandem mehr verständlich zu machen.

Wo die Banken momentan auf Biegen und Brechen versuchen, ihre dünne Eigenkapitaldecke zu stärken, zu deleveragen, und sich auch nicht zu fein sind, sich mit Steuergeldern zu retten, können sie sich solche Boni eigentlich gar nicht mehr leisten – von der moralischen Komponente ganz zu schweigen.

Es würde mich ja schon interessieren, ob die Banker bei der Hypo Re in diesem Jahr auch einen Bonus erhalten. Überraschen würde es mich jedenfalls nicht.

Hello world!

Veröffentlicht in In eigener Sache von casparhauser am September 8, 2008

Hallo erstmal. Von nun an werde ich die Welt mit meinen gesammelten Weissheiten begluecken. Im Moment befindet sich hier noch alles im Aufbau, aber in den naechsten Tagen sollte sich hier einiges tun. Als Unternehmensberater hat man zwar wenig Zeit, aber Lunch ist ja bekanntlich fuer Loser und Schlafen fuer Anfaenger, so dass hier bald etwas stehen wird.